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Europa-Talk im Tower

Politik trifft Journalismus. Ein Podiumsdiskussion im modernen Ambiente des KölnTriangle vor historischer Kulisse, organisiert von europa-digital.de und Media Res Köln. Die Berichterstattung über Europa in den lokalen Medien war Thema der illustren Runde.

Wenn Politiker mit Journalisten und über "Europa in den Medien" diskutieren, sind die Konfliktlinien vorhersehbar: So regelmäßig, wie die einen den schwachen Widerhall ihrer Arbeit in Zeitung und Fernsehen beklagen, rechtfertigen die anderen ihre Berichterstattung, die dem mageren Interesse der Leser, Hörer und Zuschauer entspringt und wohl auch entspricht. Wer für den Widerspruch zwischen tatsächlichem Einfluss und gefühlter Entfernung zu "Brüssel" verantwortlich zu machen sei, ob und vom wem dies zu ändern sei, und wie sich Europa im Halbjahr der deutschen EU-Ratspräsidentschaft in den regionalen Medien spiegele: Darüber diskutierte am 3. Mai anlässlich der nordrhein-westfälischen Europawoche eine siebenköpfige Runde.

Beim "Europa-Talk im Tower", den europa einfach e.V. gemeinsam mit der Kölner Kommunikationsagentur Media Res in der Panorama-Etage des Triangle-Hochhaus in Köln-Deutz veranstaltete, verfolgten über 100 geladene Gäste eine hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion. Lale Akgün, SPD-Bundestagsabgeordneten aus Köln, die Bonner Europa-Abgeordnete Ruth Hieronymi von der CDU und Daniel Höltgen als Sprecher der im "Triangle" ansässigen Europäischen Behörde für Flugsicherheit (EASA) trafen gleich mit vier Redaktionsleitern aus der Region zusammen: Die Chefredakteure Sven Gössmann von der Rheinischen Post aus Düsseldorf und Joachim Westhoff vom Bonner General-Anzeiger, Joachim Frank als stellvertretender Chefredakteur des Kölner Stadt-Anzeigers und Thilo Koeßler, Leiter der Sendung "Europa heute" beim Deutschlandfunk, ebenfalls mit Sitz in Köln.

Im Zentrum der Diskussion, an die sich ein geselliges Get-Together mit Blick auf das Kölner Stadtpanorama anschloss, stand die Medienkritik. So merkte EASA-Sprecher Daniel Höltgen an, die europäische Metropole Brüssel sei vom Standort Köln aus nicht nur in vielen politischen Fragen, sondern auch regional näher als Berlin. Seine Behörde besetze zudem mit den Themen Sicherheit und Klimaschutz zwei Top-Themen der aktuellen Agenda. Das komme allerdings in der Berichterstattung selten zum Tragen.

Joachim Frank vom Kölner Stadt-Anzeiger übte sich in Selbstkritik. Analytische Artikel kämen zwischen reinen Erklärstücken und bunten Geschichten zu kurz: "Unsere Europaberichterstattung ist zu sehr dominiert von Volkshochschule und Freistil", sagte Frank. Thilo Koeßler vom Deutschlandfunk, der sich mit seinem täglichen Europamagazin im Radio in einer privilegierten Lage sieht, ergänzte mit Blick auf den eigenen Berufsstand: "Wir müssen Schneisen schlagen, Themen bewerten, sortieren und strukturieren." Um diesen Anspruch einzulösen, brauche man freilich eine hervorragende journalistische Ausbildung und genaue Kenntnis der Zusammenhänge.

Denn der EU-Apparat erscheint Bürgern durch die Vielzahl der Verfahren und Beteiligten, die Gewaltenverschränkung und regelmäßige Entscheidungen hinter verschlossenen Türen immer noch als unverständlich und kaum überschaubar - woran die Beteiligten nach Ansicht der Journalisten durchaus die Hauptschuld tragen. "Europaabgeordnete und andere Politiker transportieren die Themen nicht ordentlich", kritisierte Joachim Westhoff von General-Anzeiger. Zu Schwächen des politischen Personals träten zudem politisch verursachte Irritationen bei Entscheidungsverfahren - und mangelhafte demokratische Kontrolle.

Ruth Hieronymi, Spezialistin für Medienthemen im Europaparlament, hielt derweil ein leidenschaftliches Plädoyer für ihren eigenen Stand. So seien die Europaabgeordneten die einzig direkt legitimierte Instanz innerhalb der Union, weshalb ihre Rolle in einer möglichen Europäischen Verfassung dringend weiter zu stärken sei - möglichst auch mit gemeinsamen Aktivitäten von Medien und Politik. Schließlich beklagte die SPD-Politikerin Lale Akgün, die sich im Bundestag mit Europafragen befasst, die oft fehlende Nähe des Europäischen Parlaments zu den Bürgern. "Dafür sind schon die Wahlkreise zu groß." In der Tat muss Akgün allein den Südwesten Kölns vertreten, während Hieronymi für den gesamten "Mittelrhein" gewählt ist - eine Region, die die Städte Köln, Bonn und Leverkusen ebenso umfasst wie den Rhein-Sieg- und den Rhein-Erft-Kreis.

Organisation

Europa-Talk im Tower wurde in diesem Jahr erstmals gemeinsam durch die Kölner Medienagentur Media Res GbR und europa-digital.de/europa einfach e.V. organisiert. Wir danken der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA) für die freundliche Unterstützung.

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an den Vorstand von europa einfach e.V. [eMail] oder an Dr. M. Seyppel (Media Res GbR).

europa-digital.deMedia Res Köln